Professor Shigefumi Mori an der Helene-Lange-Schule

Im Rahmen seiner Teilnahme an dem diesjährigen Heidelberg Laureate Forum ehrte der große Mathematiker von der Universität Kyoto unsere Schule mit einem Vortrag über das Wesen seiner Wissenschaft.

Die Bedeutung dieses Mannes wird klar, wenn man weiß, dass er neben vielen anderen Preisen und Auszeichnungen 1990 die Fields-Medaille erhalten hat, was oft mit dem Nobelpreis verglichen wird, und derzeit amtierender Präsident der International Mathematical Union ist.

Trotz solcher Berühmtheit trat Professor Mori äußerst bescheiden und liebenswürdig auf. Es gelang ihm schnell das Interesse der zuhörenden Schüler zu wecken, indem er seinen Vortrag mit etlichen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen durchwirkte. Jedenfalls war es in der Aula, in der rund hundert Schüler der Oberstufe versammelt waren, merklich stiller als in einer durchschnittlichen Mathematikstunde mit einer einzelnen Schulklasse.

Professor Mori hob hervor, dass die Mathematik unter den Wissenschaften einen gewissen Sonderstatus habe. Ihre Ergebnisse haben eine unendliche Lebensdauer und erweisen sich oft erst hundert Jahre nach ihrer Entdeckung als fundamental wichtig für technische Anwendungen, an die vorher überhaupt niemand auch nur gedacht hatte.

Dabei betonte er aber auch, dass Mathematik sich nicht in konventionelle Planungszyklen mit festen Budgets pressen lasse. Der wichtigste Antrieb sei heute wie vor 2000 Jahren die persönliche Neugier der Forscher.

Herr Professor Mori weihte uns in einen von ihm ganz persönlich gezogenen Vergleich der Mathematik mit der impressionistischen Malerei in Frankreich um die Jahrhundertwende ein.  Manet versuchte, das Licht zu malen, indem er das gleiche Sujet unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen malte. Und ebenso versuche man in Professor Mori Spezialgebiet der Finiten Felder bestimmte nicht-algebraische Strukturen doch algebraisch zu erfassen, indem man ihre Spur in unterschiedlichen Rechenbereichen verfolge.

Dabei durften unsere Schüler zu ihrer Überraschung lernen, dass je nach Betrachtungsweise 1 + 1 = 0 gilt, nämlich als Restklassen zu Primzahl 2.

Nach dem Vortrag, der etwa eine Stunde gedauert hat, durften die Schüler Fragen stellen. Warum er nicht Informatiker geworden sei oder, ob er schon versucht habe eines der sieben Milleniumprobleme zu knacken?

Zum Schluss erzählte Professor Mori noch mit einem Schuss Ironie, wie er zu Mathematik gekommen sei. In der Vorschule habe es immer Aufgaben gegeben, für deren Lösung man belohnt wurde. Nachdem er lange Zeit wenig Interesse an den Problemstellungen und folglich auch nie Erfolg hatte, konnte er eines Tages ein Problem als einziger lösen und bekam als Auszeichnung einen ganzen Kuchen allein. Da habe er gemerkt, dass er auch etwas könne.

Nun, und wir wissen ja inzwischen wie weit das geführt hat. Möge dies doch auf unsere Schülerschaft abfärben. Zumindest ein neuer Blick auf die Mathematik mag dieses gelungene Ereignis bei manchem bewirkt haben.

Als Dank für seinen Besuch bekam Professor Mori regionale Spezialitäten, nämlich Mannheimer Dreck und ein Flasche vorzüglichen Rieslings aus der Pfalz, den er mit seiner Frau teilen werde müssen.